Von:
Martina Kreis

e-arbeitslos.de

„Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum“ – so betet ein Mann, so betet eine Frau in einem Psalm der Hebräischen Bibel vor über 2500 Jahren. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“... ist es auch unser Gebet angesichts drohender Arbeitslosigkeit?

Wenn ich meine Arbeit, mit der ich mein Geld verdiene, verliere, dann werden meine Räume erst einmal enger: meine Lebensräume, meine Spielräume. Mein Atemraum: auch er wird eng; es schnürt mich ein – Enge – Angst. Passionszeit. Leidenszeit. Meine Räume, sie werden klein, zu klein, um andere mit hineinzunehmen – dabei wäre dies ein wichtiger Schritt hinaus.

In der Gesellschaft tönt es an vielen Orten: selbst schuld, Versager, streng dich mehr an... Da stehlen Menschen arbeitslosen Frauen und Männern mit Vorurteilen, Schuldzuweisungen, platten Sprüchen die Hoffnung auf die Weite des Lebens.

Und dann, dennoch, dieses Gebet: „Du aber, Gott, du stellst meine Füße auf weiten Raum“. Ein weiter Raum – das ist, wenn möglich, eine neue Arbeit, ein neuer Job - gut, wenn sich der Raum so für mich öffnet: die neue Aufgabe, Sicherheit. Auf-Atmen.

Gott, Du stellst unsere Füße in den weiten Raum – wir können dies spüren, wenn wir auf der Suche, wenn wir verzweifelt sind - und dann Menschen begegnen, die offen sind für unsere Sorgen und Fragen, Menschen, denen wir klagen können: unsere Angst, unsere Enge.

Gott, Du stellst unsere Füße in den weiten Lebens-Raum – ich spüre diese Weite, wenn ich Menschen begegne, die über meine Angst und meine Zweifel hinaus meine Kraft und meine Stärken sehen und mit mir weitergehen.

Nehmen wir uns kurz Zeit und denken wir darüber nach: Gibt es solche Begegnungen in meinem Leben?

Ich stelle meine Füße in den weiten Raum – denn manchmal spüre ich diese Kraft: ich will etwas tun, ich will handeln, allein, mit anderen. Ich lasse mich nicht unterkriegen, auch wenn alles gegen mich zu stehen scheint. Ich finde Räume, die mir Schutz geben und Weite zugleich – dass ich Mut fasse.

Weite Räume – Räume zum Atmen, Räume zum Leben – sie sind uns zugesagt, verheißen von Gott. Solchen Raum zu schaffen, der Menschen wahrhaft lebendig sein lässt in all ihren Facetten und Lebenslagen – das ist ein Auftrag an uns, an die Gemeinde, die aus Gottes Verheißungen lebt.